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Vielfalt gewinnt – INQA zeichnet mevanta als "Elf der Vielfalt" aus

9. Oktober 2018

Vielfalt begeistert nicht nur im Sport, sie bereichert auch Unternehmen. Um dies deutlich zu machen, rief "In Arbeit" zur Fußball-WM 2018 Betriebe auf, sich mit ihrer "Elf der Vielfalt" zu Fairplay und Vielfalt zu bekennen. Diese konnten ihre elf Mitspieler*innen mit Angabe der Nationalität und Beschreibung ihrer "Rolle" zusenden und erhielten ein Poster ihrer Mannschaftsaufstellung sowie die Chance auf den Gewinn eines Diversity-Kompetenztrainings und eines Firmenfests.

Die mevanta Pflegegesellschaft mbH ist schon seit einigen Jahren Vorreiter bei der Förderung von Vielfalt im Betrieb und wurde dafür auch schon mit dem CSR-Sonderpreis "Betriebliche Integration von geflüchteten Menschen" ausgezeichnet. Um den steigenden Personalbedarf zu decken, ist es für das Berliner Pflegeunternehmen wichtig, auch Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen und möglichst schnell zu integrieren. Dafür unterstützt mevanta seine neuen Beschäftigten mit Sprachkursen und einem Patenprogramm, bei dem erfahrene Beschäftigte die neuen KollegInnen beim Ankommen begleiten, etwa bei Behördengängen. Als Gewinner der Aktion "Elf der Vielfalt" erhielt mevanta die größte Zustimmung in den sozialen Meden und erhält ein Diversity-Kompetenztraining sowie ein Firmenfest.

Spielfeld mit Mitarbeiter-Paninis.

Im Interview mit In Arbeit geben Julia Bischoff, Prokuristin, und Lisa Dietermann, Projektleiterin, fast ein Jahr nach Erhalt des CSR-Preises der Bundesregierung spannende Einblicke in ihre Zusammenarbeit mit Geflüchteten und sprechen über aktuelle Herausforderungen:

Für die "Betriebliche Integration von geflüchteten Menschen“ erhielten Sie 2017 den CSR-Preis der Bundesregierung. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Julia Bischoff: Wir haben nicht lange überlegt, sondern direkt gehandelt und uns als verantwortungsvolles Unternehmen die Frage gestellt, wie unser Hilfsangebot konkret aussehen kann. Vielleicht liegt das Erfolgsgeheimnis darin, einfach auch mal neue Wege zu gehen, dabei aber die Belegschaft von Anfang an "mitzunehmen". Natürlich sind auch an uns und allen Mitarbeitern der mevanta Pflegegesellschaft mbH die schrecklichen Bilder aus dem Jahr 2015 nicht spurlos vorbeigezogen. Wir haben uns gleichzeitig der Frage gestellt, inwieweit die Integration von Flüchtlingen auch ein Teil der Lösung des bereits schon damals eingetretenen Fachkräftemangels sein kann. Aus diesen und aus anderen Gründen hat sich die mevanta Pflegegesellschaft mbH für die Integration von geflüchteten Menschen in unser Unternehmen entschieden.

Gerade deshalb, weil wir auch mit der betrieblichen Integration von Migranten in unser Unternehmen bereits sehr gute Erfahrungen gemacht hatten, war unser Entschluss schnell gefasst, unsere bisherigen positiven Erfahrungen in den Prozess der Integration von Flüchtlingen einzubringen. Dabei spielt die Begleitung der neuen Kollegen eine zentrale Rolle: Förderung des Spracherwerbs, feste Ansprechpartner im Unternehmen und eine geplante Einarbeitung. Dazu gehören auch ein Patenprogramm, bei dem erfahrene Kollegen die neuen Beschäftigten begleiten, sowie regelmäßige Austauschrunden: Bei diesen Treffen können alle ihre Fragen loswerden. Wir helfen mit Formularen, bei Behördengängen, aber auch bei ganz normalen Alltagsfragen. Wenn alle an einem Strang ziehen, dann ist Integration möglich.

Sprache ist ein wichtiger Schlüssel bei der Integration. Wie fördern Sie den Spracherwerb Ihrer Beschäftigten?

Julia Bischoff: mevanta unterstützt seine neuen Mitarbeiter aus dem Ausland von Anfang an dabei, auf vorhandene Basissprachkenntnisse aufzubauen. Gleich zu Beginn der Tätigkeit bieten wir regelmäßig dreiwöchige Intensivsprachkurse in Kooperation mit einer festen Sprachschule an. Im Anschluss wird ein berufsbegleitender Teilzeitkurs organisiert. Es gibt in Berlin viele pflegespezifische Sprachkurse, die auf den Beruf vorbereiten. Dies ist zwar sehr hilfreich, wonach wir aber oft suchen, sind individuelle Lösungen. Gängige Sprachkurse haben feste Zeiten, die oft mit den Arbeitszeiten kollidieren. Möchten wir alle unsere neuen Mitarbeiter aus dem Ausland in einen guten Sprachkurs schicken, stehen wir vor einem großen planerischen Problem: Wir müssen es ihnen ermöglichen, sie zwei Mal in der Woche zur gleichen Zeit für den Sprachkurs freizustellen.

Darüber hinaus sind es oft die kleinen, individuellen Maßnahmen im Unternehmen, die besonders erfolgreich sind. Wir machen zum Beispiel regelmäßig Vorlesestunden für unsere Bewohnerinnen und Bewohner im Pflegeheim oder die Gäste unserer Tagespflege, bei denen auch die neuen Beschäftigten aus dem Ausland zum Zuge kommen: Das laute Lesen aus Büchern oder aus der Zeitung ist eine gute Übung, um die Sprache weiter zu verfestigen. Außerdem korrigieren wir schon einmal Hausaufgaben aus der Sprachschule. Denn die B2-Prüfung ist für die meisten mündlich kein Problem, der schriftliche Teil ist meist die Herausforderung. Die beste sprachliche Integration aber findet über das Team und bei der täglichen Arbeit statt: Der Austausch mit den Kollegen und den Klienten ist unerlässlich und bringt die größten Fortschritte.

Sie haben ein sehr vielfältiges Team. Wie fördern Sie dabei das Zusammenspiel?

Lisa Dietermann: Man mag meinen, die Vielfalt sei das Auschlaggebende. Allerdings sind es eher unsere sympathischen und freundlichen Mitarbeiter, die uns ausmachen. Bei uns wird jeder Mitarbeiter genommen, wie er ist. Und so wird es weitergegeben. Anfangs war eine gewisse Skepsis gegenüber den neuen Mitarbeitern aus dem Ausland zu spüren – in unterschiedlicher Weise. Wir haben in den Teams über die Notwendigkeit und die positiven Aspekte multikultureller Teams gesprochen und damit so manche Hürden abgebaut bzw. ihnen entgegengewirkt. Heute sind neue Mitarbeiter – aus dem In- oder Ausland – im Nu im Team integriert. Am Ende zählt, was Du kannst und nicht, woher Du kommst oder, ob Du Einschränkungen mitbringst.

Womit beim Thema Vielfalt beschäftigen Sie sich gerade, was möchten Sie noch verbessern?

Lisa Dietermann: Wir stehen vor dem großen Problem der beruflichen Anerkennung. Das beschäftigt uns sehr. Als Unternehmen sind wir mittlerweile hervorragend aufgestellt, haben alle notwendigen Unterlagen und Behördengänge vorbereitet, schulen unsere neuen Mitarbeiter, die in wirklich bemerkenswerter Zeit alles absolvieren und erreichen, was sie für die Anerkennung ihres ausländischen Berufsabschlusses benötigen und dann passiert: nichts. Denn leider machen uns aktuell die Bearbeitungszeiten im LAGeSo einen Strich durch die Rechnung. Einige unserer Mitarbeiter warten nur noch auf ihren Defizitbescheid, um endlich die Eignungsprüfung absolvieren und dann ihre Berufsurkunde erhalten zu können. Und das seit Monaten. Hier würden wir uns eine effizientere Bearbeitung wünschen, um diese Fachkräfte zeitnah auch als solche einsetzen zu können.