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Sprachlich fit im Berufsalltag

18. Oktober 2017

Dieser Beitrag stammt aus der zweiten Ausgabe des Magazins "In Arbeit". Weitere Einblicke in die interkulturelle Zusammenarbeit in Unternehmen finden Sie hier.

Die meisten Zugewanderten bringen erste Sprachkenntnisse mit. Um im beruflichen Alltag und in der Berufsschule gut mitzukommen, reicht das oft nicht aus. Doch es gibt viele Wege, die berufsbezogene Sprachkompetenz zu verbessern. Meistens führt ein Mix aus staatlichen Angeboten und individuellen Lösungen zum Erfolg.

Pfleger mit zwei Senioren.

Der Berliner Gesundheitsdienstleister mevanta kümmert sich seit 25 Jahren um Pflegebedürftige in Berlin. In dem Familienunternehmen arbeiten rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der ambulanten Pflege, der Tagespflege und im Pflegeheim.

Im Pflegeberuf ist eine gute Sprachkompetenz der Schlüssel, um Nähe und Vertrauen zu unseren Klientinnen und Klienten aufzubauen, berichtet Julia Bischoff, die Prokuristin bei mevanta ist. Wie viele andere Pflegebetriebe in Deutschland ist auch mevanta auf der Suche nach Fachkräften, seit Längerem auch im Ausland. Eine gute Basissprachkompetenz ist für uns das erste Einstellungskriterium, sagt auch mevanta-Geschäftsführer Tobias Pumb. Mittlerweile übernehmen wir niemanden mehr in die Ausbildung, der nicht ein ausreichendes Sprachniveau hat.

Ähnlich wie mevanta haben viele Unternehmen individuelle Lösungen für die Förderung von Spracherwerb gefunden. Aber auch die Bundesregierung hat in den vergangenen Monaten eine Reihe von Maßnahmen und Instrumenten auf den Weg gebracht, damit insbesondere Geflüchtete ihre Deutschkenntnisse vertiefen können. Die Sprachkurse im Rahmen der Integrationskurse vermitteln die Grundkenntnisse bis zum Niveau B1. Aber da, wo berufsbezogene spezifische Deutschsprachkenntnisse erforderlich sind, besteht konkreter Förderbedarf. Hier setzen die Kurse des ESF-BAMF-Programms und die Berufsbezogene Deutschsprachförderung des Bundes an. Ab 2018 werden alle Maßnahmen in den Berufssprachkursen unter dem Titel "Berufsbezogene Deutschsprachförderung" ausgebaut. Die berufsbezogenen Sprach- und Weiterqualifizierungsmodule können baukastenähnlich je nach Bedarf zusammengestellt werden. Auskunft darüber, wer an den verschiedenen Modulen teilnehmen darf, erteilen die Arbeitsagenturen und Jobcenter. Darüber hinaus gibt es auch Online-Lernangebote, um individuell die Sprachkompetenz zu verbessern.

mevanta unterstützt seine neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Ausland dabei, auf vorhandene Basissprachkenntnisse aufzubauen. Dazu gehören ein Patenprogramm, bei dem erfahrene Kolleginnen und Kollegen die neuen Beschäftigten begleiten, sowie regelmäßige Austauschrunden: Bei diesen Treffen können alle ihre Fragen loswerden. Wir helfen mit Formularen, bei Behördengängen, aber auch bei ganz normalen Alltagsfragen. Außerdem korrigieren wir schon einmal Hausaufgaben aus der Sprachschule. Denn die B2-Prüfung ist für die meisten mündlich kein Problem, der schriftliche Teil ist meist die Herausforderung, berichtet Julia Bischoff. Um spezielles Pflegevokabular zu vermitteln, bietet das Unternehmen regelmäßig dreiwöchige Intensivsprachkurse in Kooperation mit einer Sprachschule an. Kommen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem europäischen Ausland, unterstützt das EURES-Programm u. a. die Sprachkurse. In anderen Fällen finanziert mevanta die Kurse selbst.

Es gibt viele pflegespezifische Sprachkurse, die auf den Beruf vorbereiten. Aus Sicht von mevanta ist das sehr hilfreich, aber es gibt noch nicht für alles eine Lösung, wie Julia Bischoff berichtet. Wonach wir oft suchen, sind individuelle Lösungen. Ein Beispiel: Ein Geflüchteter, der bei uns in der Ausbildung ist, kümmert sich nach Arbeit und Berufsschule um seine Familie. Ein mehrtägiger Intensivkurs kommt für ihn nicht infrage. Hier wäre ein praxisbezogener Teilzeitkurs ideal. Darüber hinaus seien es oft die kleinen, individuellen Maßnahmen im Unternehmen, die besonders erfolgreich sind, so Bischoff weiter. Wir machen zum Beispiel regelmäßig Vorlesestunden für unsere Bewohnerinnen und Bewohner, bei denen auch die neuen Beschäftigten zum Zuge kommen. Das laute Lesen aus Büchern oder aus der Zeitung ist eine gute Übung, um die Sprache weiterzuverfestigen.