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Sattelfest im Umgang mit Diskriminierung und Rassismus

17. Dezember 2018

Banner vor einer Gebäudefassade mit der Aufschrift „Wir ticken international. Nein zu rechtem Gedankengut. Ja zu Toleranz und Weltoffenheit - und Menschen, die jetzt unsere Hilfe brauchen.“.

Ausgrenzendes Verhalten, antidemokratische Strömungen und rechtes Gedankengut stellen nicht nur die Politik vor Herausforderungen. Auch Unternehmen sehen sich mit diesen konfrontiert, wenn sie sich in ihrer Region ausbreiten – denn der Standort zahlt ein auf ihre Unternehmensattraktivität. Derzeit reagieren in Sachsen ansässige Unternehmen vermehrt auf Vorkommnisse im Bundesland, insbesondere solche mit weltweitem Kundenstamm und internationaler Belegschaft. Dazu gehört der Uhrenhersteller NOMOS Glashütte. Wir verkaufen unsere Uhren an Kunden in aller Welt und wir wünschen uns für unser Unternehmen ein Klima von Toleranz und Weltoffenheit, sagt Judith Borowski, Leitung Marke und Design sowie Mitglied der Geschäftsführung. Insbesondere mit Blick auf die eigene Belegschaft ist dem Unternehmen ein solches Klima wichtig. Die 300 Beschäftigten, von denen 260 im sächsischen Glashütte tätig sind, stammen insgesamt aus 20 Nationen.

Workshops zum Umgang mit Rechtsextremismus

Um das zu verwirklichen, veranstaltet NOMOS Workshops mit dem Titel "Open Saxony". An den Workshops können alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter freiwillig teilnehmen. NOMOS Glashütte ist nicht politisch im Sinne von links oder rechts, betont Judith Borowski, aber wir wollen zeigen, dass Sachsen viele Seiten hat – und dass uns die Demokratie, für die die Sachsen 1989 auf die Straße gingen, wertvoll ist. Inhalt der Workshops sind beispielsweise Faktenchecks von rechtsorientierten Aussagen und Argumentationshilfen gegen Rechtsextremismus. Es geht aber auch darum, wie Mitarbeitende mit rassistischen Äußerungen im Team oder im privaten Umfeld umgehen und wie sie reagieren können, wenn sie selbst diskriminiert werden. Außerdem wird gemeinsam darüber nachgedacht, was die Demokratie in Deutschland ausmacht und wieso sie wichtig ist. Wir wollen unseren Kolleginnen und Kollegen das Rückgrat stärken, sie im Umgang mit rechter Polemik sattelfest machen, erklärt Judith Borowski.

Multikulturelle Belegschaft als Bereicherung

Ein Grund dafür ist auch, dass das Unternehmen mit seiner internationalen Belegschaft bisher überwiegend positive Erfahrungen gemacht und die multikulturelle Zusammensetzung als Vorteil und Bereicherung ansieht. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können voneinander lernen und profitieren. Ihre unterschiedlichen Erfahrungen bereichern das Unternehmen und helfen, uns internationaler aufzustellen. Auch die Kommunikation mit ausländischen Geschäftspartnern ist leichter, wenn Teammitglieder interkulturelle Kompetenz haben. Für uns sind sie daher ganz wichtig!, erläutert Judith Borowski.

Inspiration für andere Unternehmen

Die vierstündigen Seminare finden alle zwei bis drei Wochen statt und werden vom Verein Courage – Werkstatt für demokratische Bildungsarbeit e. V. durchgeführt. Doch auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von NOMOS Glashütte waren in die Vorbereitung der Workshops involviert. Wir bekommen sehr viele positive Rückmeldungen. Die Seminare werden von unserer Belegschaft gut angenommen, sagt Borowski. Die Termine sind aktuell für mehrere Monate ausgebucht. Und auch das Interesse im Umfeld ist groß. Viele andere Unternehmen interessieren sich für die Open-Saxony-Workshops, weil sie über unsere Zusammenarbeit mit dem Verein in der Presse gelesen haben, berichtet Borowski. Das Unternehmen hofft, mit seinem Engagement auch den Ruf des Bundeslandes Sachsen als Lebensraum und Wirtschaftsstandort wieder ein Stück weit zu verbessern.

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