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Quote mit Signalwirkung

28. April 2017

Mitarbeiter der Firma Esta Apparatebau.

Esta Apparatebau fertigt in Senden bei Ulm Absauganlagen für unterschiedliche Kunden, vom kleinem Handwerksbetrieb bis zum Weltkonzern. Unter den 190 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind auch vier Geflüchtete fest angestellt. Für sein Engagement wurde das Unternehmen von der Bundesregierung mit dem CSR-Preis 2017 in der Kategorie "Betriebliche Integration geflüch-teter Menschen" ausgezeichnet. Was das Erfolgsrezept gelungener Integration ist und wie sich Unternehmen klar positionieren können, darüber sprachen wir mit Wolfgang Fezer, Leiter Personal und Verwaltung.

Herr Fezer, Ende 2015 hat Esta Apparatebau Schlagzeilen gemacht: Der Geschäftsführer Dr. Peter Kulitz gab öffentlich bekannt, dass sich das Unternehmen eine Quote gesetzt hat: Zwei Prozent der Belegschaft sollen Geflüchtete sein. Wie kam es dazu?

WF: Bei der Zwei-Prozent-Quote ging es uns um ein Signal nach außen an andere Betriebe in der Region. Zudem wollten wir nach innen zeigen, dass sich das Unternehmen dem Thema aktiv stellt und sich klar positioniert: Grundlegende Voraussetzung für eine gelingende Integration ist eine sinnvolle Tätigkeit, eine Arbeitsstelle. Hier sehen wir eine unternehmerische Verantwortung. Diese Haltung hatten wir schon vor der Quote.

Das heißt, Sie haben bereits im Vorfeld Geflüchtete beschäftigt?

WF: Genau. Ein langjähriger Mitarbeiter hat syrische Wurzeln. Sein Cousin Anas ist 2014 aus Syrien geflohen. In Deutschland hat Anas dann einen Sprachkurs gemacht und sich um eine Arbeitsstelle bemüht, jedoch ergebnislos. Unser Mitarbeiter kam dann auf mich zu und fragte, ob es eine Beschäftigungsmöglichkeit im Betrieb gäbe. Bei Gesprächen mit dem Geflüchteten stellte sich heraus, dass er ein gelernter Klima-, Lüftungs- und Wasserinstallateur ist, also im Heimatland in einer verwandten Branche gearbeitet hat.

Sie haben ihn also eingestellt?

WF: Ja, in der externen Montage. Wir haben die Chance erkannt, einen motivierten und fachlich versierten Menschen einzustellen. Dennoch: Fachwissen ist keine zwingende Voraussetzung für die Integration Geflüchteter bei uns.

Sondern?

WF: Nach Anas haben wir - ebenfalls in Festanstellung - drei weitere Geflüchtete eingestellt: Amar und Mtanos aus Syrien und zuletzt Emmanuel aus Nigeria. Amar und Emmanuel arbeiten im Wareneingang, Mtanos in der internen Montage. Alle haben eine große Lernbereitschaft mitgebracht – das ist uns sehr wichtig.

Wie unterstützen Sie diesen Lernprozess?

WF: Wir stellen jedem Neuankömmling einen Paten zur Seite. Das ist ein direkter Kollege, der im Arbeitsalltag sprachliche und fachliche Hilfestellungen leisten kann. So haben wir beispielsweise Anas für die ersten drei Monate in einem Team mit seinem Cousin eingesetzt. Im Anschluss konnte er dann mit anderen Teams auf Montage gehen und ist heute als eigenständiger Monteur deutschlandweit unterwegs.

Das klingt nach einer sehr reibungslosen Zusammenarbeit.

WF: In der Tat sind wir bisher sehr zufrieden. Die Integration Geflüchteter ist jedoch kein Selbstläufer, auch das Unternehmen ist gefordert: Prozesse werden angepasst, die Kollegen geben Hilfestellungen, teilweise mit Bildsprache, und auch in der Personalabteilung ist es ein anderer Aufwand. Zu Beginn mussten wir zudem auf Unternehmenswerte wie zeitgerechte Absprachen und Pünktlichkeit hinwirken.

Was ist vorgefallen?

WF: Einer unser neu Beschäftigten meldete sich eines Tages um 9:00 Uhr bei mir, dass er einen Termin auf dem Landratsamt habe und daher nicht zur Arbeit kommen könne. Der Termin war ihm aber schon seit zwei Wochen bekannt. Im Nachhinein habe ich dann mit dem Kollegen gesprochen, dass er solche Dinge zukünftig im Vorfeld mit dem Abteilungsleiter absprechen müsse, sodass Kapazitäten entsprechend eingeteilt werden können. Im Anschluss funktionierten die Absprachen.

Haben Sie die Belegschaft vor der Einstellung von Geflüchteten informiert?

WF: Ja, die Mitarbeiter wurden von vorne herein mit einbezogen. Zudem hat Dr. Kulitz unseren ersten Geflüchteten Anas auf einer Betriebsversammlung persönlich vorgestellt. Dabei wurde deutlich gemacht, dass das Thema Integration zukünftig fester Bestandteil der Unternehmenskultur sein wird.

Wie haben die Mitarbeiter reagiert?

WF: Wir haben eine positive Resonanz erhalten. Das liegt sicher auch daran, dass das Thema Geflüchtete im Unternehmen stets präsent war, ob Betriebsversammlung, Weihnachtsfeier oder Sommerfest. Diese Rückendeckung ist uns enorm wichtig, um Integration erfolgreich zu gestalten.

Herr Fezer, abschließend nochmal zurück zur Quote: Hat das Zwei-Prozent-Ziel die gewünschte Signalwirkung in der Region entfaltet?

WF: Tatsächlich haben einige Unternehmen Geflüchtete eingestellt. Ich möchte das jedoch nicht ausschließlich auf die Quote zurückführen. Uns war es wichtig, ein Bewusstsein zu schaffen: Unternehmerische Verantwortung heißt auch, Integrationsmöglichkeiten durch Beschäftigung zu schaffen. Dieses Signal ist meiner Meinung nach angekommen. Nach Veröffentlichung der Quote haben mich beispielsweise verschiedene Personaler angerufen, um sich über die Herangehensweise zur Integration Geflüchteter in Unternehmen auszutauschen.