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Von der Suche nach Fachkräften

25. Juni 2019

Vor 30 Jahren hat Claudia Gust zusammen mit ihrem Mann die Firma SIK-Holz gegründet. In dieser Zeit hat sie einige Veränderungen in der Belegschaft miterlebt. Die Suche nach Fachkräften stellt das Unternehmen mit dem Schwerpunkt Holzbildhauerhandwerk aufgrund seiner ländlichen Lage vor besondere Herausforderungen. Dabei kann das Wohnen in ländlicher Lage einige Vorteile für Menschen mit Fluchterfahrung bieten, erläutert Frau Gust im Interview.

Mitarbeiter der Firma SIK-Holz arbeiten in der Schreinerei.
Quelle:  SIK-Holzgestaltungs GmbH

Der Meisterbetrieb, der auf die Planung, Gestaltung und Produktion von individuellen Kinderspielplatzgeräten aus Robinienholz spezialisiert ist, hat seinen Sitz in der Gemeinde Niedergörsdorf im Fläming, ca. 70 km südlich von Berlin. Trotz ländlicher Lage besitzt die Firma internationale Partnerschaften und vertreibt ihre Produkte weltweit. Interkulturelle Kompetenzen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind daher unabdinglich, betont Claudia Gust. Kulturelle Vielfalt spielt in dem mittelständischen Unternehmen schon immer eine große Rolle: Bereits in den neunziger Jahren stellte das Unternehmen Spätaussiedler aus Russland ein, von denen die meisten auch immer noch im Betrieb tätig sind. Auch eine Mitarbeiterin, die 2003 aus Kenia geflohen ist, hat das Unternehmen angestellt – und die Zusammenarbeit gestaltet sich bis heute durchweg positiv.

Doch dabei möchte es das Handwerksunternehmen nicht belassen. Vor allem mit Blick auf die in den letzten Jahren nach Deutschland gekommenen Geflüchteten wird die Akquise von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Fluchterfahrung immer bedeutsamer. Und auch wenn sich der Fachkräftebedarf im Moment noch nicht allzu sehr bemerkbar macht, schaut der Betrieb in die Zukunft. SIK-Holz möchte auf verschiedenen Wegen ausprobieren, neue, internationale Fachkräfte zu gewinnen.

Gleichermaßen sehe sie in der Einstellung von Menschen mit Fluchterfahrung ihren eigenen, sozialen Beitrag zur Unterstützung der Integration Geflüchteter in der Region, erzählt Claudia Gust. Obwohl der Anschluss im ländlichen Raum zunächst schwieriger erscheint, kann die Integration gelingen. Wenn man den Anschluss gefunden hat, kann das Wohnen auf dem Land ein Gewinn sein. Man muss sich darauf einlassen wollen, hebt die 58-Jährige zuversichtlich hervor.

Die Suche nach Fachkräften

Das Unternehmen ergreift bereits einige Maßnahmen, um Geflüchtete als Arbeitskräfte einzustellen – sowohl in der Produktion als auch im administrativen Bereich. So hat sich SIK-Holz beispielsweise beim Arbeitsamt als Betrieb gemeldet, der Geflüchtete einstellt.

Doch Claudia Gust und ihr Team waren motiviert, auch über neue Wege das Interesse von Geflüchteten am Handwerk zu wecken. Die Flüchtlingshilfe im nahegelegenen Jüterbog ist mit der Frage nach Arbeitsmöglichkeiten an uns herangetreten, berichtet sie. Gemeinsam mit dieser hat SIK-Holz im Frühjahr 2018 im Rahmen des Projekts "Blumenstadt" mit Geflüchteten aus der Region Blumenkübel mit Sitzbänken gebaut. Unter dem Motto "Mit Bänken Brücken bauen" verschönerten die Geflüchteten zusammen mit Tischlermeister David Strauss die Stadt – und schafften damit eine Möglichkeit für die Geflüchteten, aktiv zu werden. Der gesamte Prozess von der Planung bis hin zur Fertigstellung der Kübel und Bänke hat auch den Zusammenhalt gestärkt, betont Gust. Es war nicht nur das Bauen, sondern auch das Ganze hinterher, dabei sind die Teilnehmer stark zusammengewachsen, erinnert sie sich.

Gewünscht hätte sich das Unternehmen, dass einige der Teilnehmenden nach dem Projekt im Betrieb geblieben wären. Leider war allerdings das Interesse am Holzbildhauerhandwerk nicht groß genug, wodurch keine längerfristige Beschäftigung ergeben hat. Wenn wir damit drei Leute in Arbeit gebracht hätten, wäre das natürlich ein Erfolg gewesen. So bleibt etwas Enttäuschung zurück, gibt Claudia Gust zu. Ein positives Resümee zieht sie dennoch: Das Unternehmen hat einen gesellschaftlichen Beitrag zur Integration der Geflüchteten in Jüterbog geleistet.

Den eigenen Weg finden

Und schließlich ist der Betrieb über einen anderen Weg auch noch seinem Ziel ein Stück näher gekommen, Geflüchtete für das Holzhandwerk zu begeistern, Über eine Ausbildungsmesse konnte der Betrieb engagierte Verstärkung gewinnen: Seit Sommer 2018 unterstützt nun eine Auszubildende aus dem Iran das Handwerksunternehmens.

Die Suche nach Geflüchteten als Mitarbeitende entpuppt sich für das Unternehmen als Lernprozess, bemerkt Gust. Man muss versuchen, den gesamten Betrieb einzubinden und die eigenen Beschäftigten mitzunehmen. Es ist wichtig, mit Kolleginnen und Kollegen zu sprechen und diese zu motivieren, mitzugestalten, wie man die Geflüchteten einbringt, gibt sie anderen Unternehmen auf den Weg zu.

Trotz aller Herausforderungen ist für Claudia Gust aber eins entscheidend: der Mehrwert, den ihre multikulturelle Belegschaft aufgrund internationaler Fachkräfte ihrem Unternehmen bietet. Für Betriebe in ländlicher Lage können bei der Suche nach diesen Fachkräften besonders Kooperationen mit Initiativen vor Ort, die Einbindung lokaler Behörden oder die Teilnahme an regionalen Ausbildungsmessen Erfolge erzielen. Letztendlich muss jedoch jeder Betrieb seinen eigenen Weg finden. Entscheidend ist, sich von diesem nicht so leicht abbringen zu lassen.