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Diversity Management

7. Februar 2017

"Die Motivation zählt"

Tanja Bohner und Sandra Grimmer mit geflüchteten Mitarbeitern.

Die Zusammenarbeit in einer interkulturellen Belegschaft ist für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firma Schwarzwald-Eisen kein Novum. Nimmt man alle Tochterunternehmen zusammen, arbeiten knapp 200 Menschen bei dem Großhändler für Stahl, Türen und Tore. Zu der Belegschaft zählen rund 50 Personen mit Migrationshintergrund aus 17 verschiedenen Ländern. Ressentiments gegenüber Fremden: Fehlanzeige.

"Wunderbar, da kommt jemand, der uns hilft."

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass sich das Familienunternehmen entschlossen hat, auch Geflüchteten eine Perspektive zu bieten. Der Mittelständler in Lahr verfolgt dabei eine pragmatische Herangehensweise: Für uns zählt zuallererst die Motivation eines Bewerbers, erklärt Personalleiterin Tanja Bohner. Dass die Herkunft keine Rolle spielt, ist für Tanja Bohner eine Selbstverständlichkeit: Wir sehen einfach: Wunderbar, da kommt jemand, der uns hilft. Dies gilt insbesondere angesichts des Fachkräftemangels in handwerklichen Berufen und des Wachstums von Schwarzwald-Eisen in den vergangenen Jahren.

So entschied sich das Unternehmen, drei Geflüchtete im Arbeitsbereich Eisenbiege einzustellen, in dem Stäbe für Betonstahl bearbeitet werden. Mahmoud aus Syrien, Shahzad aus Pakistan und Riab aus dem Irak machten in ihren Bewerbungsgesprächen deutlich, wie wichtig es ihnen ist, einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen.

Ehrenamtliche Helfer von regionalen Flüchtlingsinitiativen stellten den Kontakt zu Mahmoud, Shahzad und Riab her. Dazu zählt auch Sandra Grimmer, die ebenfalls bei Schwarzwald-Eisen beschäftigt ist. Die Assistentin der Geschäftsführung engagiert sich in der "Willkommensinitiative Neustart" in Ettenheim, die sich um alle Neuankömmlinge kümmert.

Ehrenamtliche Helfer – ein Glücksgriff

Für Schwarzwald-Eisen sind die ehrenamtlichen Helfer eine große Unterstützung: Sie nehmen an Personalgesprächen mit den Geflüchteten teil, pauken Fachvokabular mit ihren Schützlingen und unterstützen bei Verwaltungsformularen und Behördengängen. Und: Durch den vertrauensvollen Austausch erhalten die Ehrenamtlichen auch einen Einblick in die beruflichen Vorerfahrungen der Geflüchteten.

Diese Unterstützung ist für Unternehmen wie Schwarzwald-Eisen von entscheidender Bedeutung. Denn in den Bewerbungsgesprächen sei es eine große Herausforderung festzustellen, was die Geflüchteten in ihren Heimatländern beruflich gemacht haben und welche Fähigkeiten sie mitbringen, weiß Tanja Bohner aus Erfahrung zu berichten. Nur durch die persönlichen Empfehlungen der Ehrenamtlichen konnten wir feststellen, ob handwerkliches Geschick gegeben ist. Im Endeffekt galt aber auch hier das Credo, die persönliche Motivation des Bewerbers in der Entscheidung zu berücksichtigen.

Und diese Rechnung ging auf. Die Belegschaft beschreibt Mahmoud, Shahzad und Riab als sehr lernfreudig und höflich, berichtet Tanja Bohner aus den Gesprächen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Dort wurden sie direkt in die Teams integriert, von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen angelernt und haben stets einen Ansprechpartner an ihrer Seite.

Dass die Zusammenarbeit reibungslos funktioniert und kulturelle Unterschiede keine Rolle spielen, beweist auch die Teilnahme der Geflüchteten an Mitarbeiterfesten. In persönlichen Gesprächen erzählen die Geflüchteten, was sie in ihren Heimatländern Syrien, Irak und Pakistan erlebt haben und welche Erfahrungen sie auf ihrer Flucht gemacht haben. Die Personalchefin von Schwarzwald-Eisen sieht hierin eine Bereicherung: Die persönlichen Geschichten zu erfahren – das schafft nicht nur Verständnis für die einzelnen Lebensumstände, sondern für die Flüchtlingsproblematik insgesamt, ist sie sich sicher.

Eine langfristige Perspektive anbieten

Derzeit arbeiten Mahmoud, Shahzad und Riab auf Helferposten. Aufgrund sprachlicher Hürden kam eine Ausbildung bisher nicht infrage. Dennoch ist es Ziel des Unternehmens, die Geflüchteten intern zu schulen und ihre Qualifikationen zu erweitern: Natürlich streben wir an, dass die Geflüchteten bei uns im Unternehmen eine langfristige Perspektive haben, erklärt Tanja Bohner.

Denn in den mittlerweile 50 Unternehmensjahren hat sich gezeigt, dass Menschen mit Migrationshintergrund oder Geflüchtete erfolgreich integriert werden können. Geben Sie der Zusammenarbeit mit Geflüchteten eine Chance, rät Tanja Bohner daher anderen Unternehmen.