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Beratung bei rechtlichen Fragen

14. März 2019

Seinen Teil beitragen – das wollte der Unternehmer Thomas Strobl, 57, als er im Sommer 2015 auf dem Höhepunkt des sogenannten "Flüchtlingsstroms" zwei Geflüchtete aus Syrien und Pakistan einstellte. Heute ist er froh, in den beiden jungen Männern zwei wertvolle Mitarbeiter gefunden zu haben. Besonders herausfordernd auf dem Weg dorthin war die Komplexität des rechtlichen Rahmens, der die Einstellungsmöglichkeiten bestimmt. Doch es gibt verschiedene Beratungsangebote, die Unternehmen in diesem Bereich unterstützen.

Zwei Mitarbeiter an einem Schreibtisch.

Thomas Strobl betreibt südlich von München das 20-köpfige Unternehmen Mountain Equipment, ein Vertrieb für Outdoor-Produkte. Wir sind leider nicht so gut durch öffentliche Verkehrsmittel angebunden, erzählt der gebürtige Bayer. Daher ist es schwer, neue Leute zu finden. Seinen Bedarf an Fachkräften konnte er mit der Einstellung von zwei Geflüchteten aus Syrien und Pakistan decken. Die jungen Männer starteten als Saisonarbeiter, entpuppten sich aber schnell als zuverlässige und wertvolle Teammitglieder, die Herr Strobl gerne längerfristig an seinen Betrieb binden wollte. Die Voraussetzungen waren jedoch vor allem bei Atif Ashraf aus Pakistan nicht einfach. Der 28-Jährige hatte in seinem Heimatland ein Studium erfolgreich abgeschlossen, dieses wurde jedoch in Deutschland nicht anerkannt. Über seinen Asylantrag war zu dem Zeitpunkt noch nicht entschieden.

Unterstützung finden

Strobl suchte sich externe Beratung. Ohne das notwendige Wissen war es schwer, die richtigen Regelungen zu finden und Anträge zu stellen, erinnert sich der 57-Jährige. Einen Ansprechpartner für seine Fragen und Anliegen fand er in der zuständigen Ausländerbehörde in seinem Landkreis. Die dortigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren sehr kompetent und engagiert, erzählt er. Bei der Behörde bekam er Informationen zur 3+2-Regelung, von der er bereits gehört hatte. Mit dieser Regelung dürfen Geflüchtete ohne positiven Asylbescheid für die Dauer einer staatlich anerkannten qualifizierten Berufsausbildung – und bei anschließender Beschäftigung gegebenenfalls weitere zwei Jahre – in Deutschland bleiben, unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus. So konnte er seinen Mitarbeiter aus Pakistan über einen Ausbildungsplatz zum Groß- und Außenhandelskaufmann einstellen.

Angebote in den Regionen

Grundsätzlich ist bei der 3+2-Regelung zu beachten, dass sie an Bedingungen geknüpft und ihre Umsetzung von den Umständen der betreffenden Personen abhängt. Hinzu kommen bundeslandspezifische Unterschiede bei der Anwendung. Daher empfiehlt Strobl, sich bei Fragen rund um die Beschäftigung von Geflüchteten beraten zu lassen und sich nach regionalen Besonderheiten zu erkundigen. Anlaufstellen sind neben der Ausländerbehörde das bundesweite Netzwerk "Integration von Asylbewerberinnen, Asylbewerbern und Flüchtlingen" (IvAF), die "Willkommenslotsen" und das Netzwerk "Integration durch Qualifizierung (IQ)".

Das IvAF-Netzwerk richtet sich mit seiner Beratungsleistung sowohl an Geflüchtete als auch an Unternehmen. Bei ersteren stehen die schulische Bildung sowie die Ausbildung und die Integration in den Arbeitsmarkt im Vordergrund. Unternehmen unterstützt das Netzwerk bei der Einstellung und langfristigen Beschäftigung von Geflüchteten. Das Netzwerk unterteilt sich in 41 regionale Netzwerke mit rund 300 Teilprojekten und ist damit auf die regionalen Bedarfe ausgerichtet.

Die sogenannte "Willkommenslotsen" unterstützen Unternehmen bei der Besetzung von offenen Praktikums-, Ausbildungs- und Arbeitsstellen mit Geflüchteten. Sie sind in ganz Deutschland in rund 110 Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern, Kammern der freien Berufe sowie weiteren Organisationen angesiedelt und damit regional ebenfalls gut erreichbar. Über eine Willkommenslotsen-Suche können Unternehmen direkt mit dem für ihre Region zuständigen Willkommenslotsen Kontakt aufnehmen.

Rund um Anerkennungsfragen zu erworbenen Abschlüssen im Ausland kann das Netzwerk "Integration durch Qualifizierung (IQ)" weiterhelfen. In der Anerkennungsberatung unterstützen Beraterinnen und Berater bei allen Schritten des Verfahrens. Insgesamt gibt es über 100 Beratungsstellen und mehr als 60 mobile Angebote.

Weiterbeschäftigung nach der Ausbildung

Atif Ashraf absolvierte die Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann als zweitbester im Landkreis. Seine Aufenthaltsgenehmigung lief jedoch aus, die 3+2-Regelung fand in seinem Fall keine Anwendung. Daher stellte ihn Herr Strobl über das neu in Kraft getretene Fachkräftezuwanderungsgesetz ein, wozu ihm erneut die Ausländerbehörde riet und ihn bei den Formalitäten unterstützte. Wir haben die Ausbildung ja nicht zur Gaudi gemacht, sie muss ja auch unternehmerisch Sinn machen, erklärt der 57-Jährige. Der frisch gebackene Groß- und Außenhandelskaufmann erhielt eine Aufenthaltsgenehmigung für weitere drei Jahre. Jetzt macht er berufsbegleitend eine weiterführende Ausbildung zum Handelsfachwirt, sagt Herr Strobl sichtlich stolz und freut sich, den Weg bis hier hin gemeistert zu haben.