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5 Fragen an... Johannes Weidl

22. September 2017

Bildausschnitt: Zwei Frauen mit Kopftuch stehen an einem Infotisch.

Wie können kleine und mittlere Unternehmen Vielfalt in ihren Arbeitsprozessen mitdenken? Um diese Frage zu beantworten, bietet die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) Betrieben ab Frühjahr 2018 den kostenlosen Selbstcheck "Vielfaltsbewusster Betrieb" an. "In Arbeit" sprach vorab mit Johannes Weidl, der am RKW Kompetenzzentrum den neuen INQA-Check mitentwickelt.

Herr Weidl, Sie sind am RKW Kompetenzzentrum an der Erarbeitung des Checks "Vielfaltsbewusster Betrieb" der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) beteiligt. Was ist die Idee des Checks und welchen Mehrwert bietet er Unternehmen?

JW: Die INQA-Checks sind Handlungshilfen für die betriebliche Praxis. Als Selbstbewertungsinstrument helfen sie Unternehmen, bestehende Prozesse und Strukturen zu analysieren und Verbesserungspotentiale im Betrieb aufzuzeigen. Nach dieser Sensibilisierung sollen die Unternehmen dann durch Anregungen aus der Praxis aktiviert werden, eigene Handlungsmaßnahmen zu beschließen. Neben dem themenübergreifenden INQA-Unternehmenscheck "Guter Mittelstand" sind die Themenbereiche Gesundheit, Wissen und Kompetenz sowie Führung bereits mit einem Check abgedeckt. Unter dem Titel "Vielfaltsbewusster Betrieb" wird nun für den Bereich Chancengleichheit und Diversity ein neues Selbstbewertugnsinstrument entwickelt. Mit diesem soll gezeigt werden, welche Potenziale und Chancen sich beispielsweise im Alltag eines vielfaltsbewussten Unternehmens ergeben und wie diese erschlossen und gefördert werden können. Das Einzigartige des Checks ist, dass er durch die Verabschiedung im Plenum der Offensive Mittelstand künftig Referenzinstrument und Praxisstandard sein wird. Die Partner der Offensive Mittelstand werden das Instrument nachhaltig in ihre Qualifizierungs- und Transferstrukturen integrieren.

Momentan befindet sich der neue INQA-Check in der Pilotphase. Wie läuft dieser Prozess ab?

JW: In der Erprobungsphase testen wir den Check auf zwei Wegen. In Workshops diskutieren wir mit Vertreterinnen und Vertretern von Unternehmen sowie anderen Interessierten über den Check und holen Verbesserungsvorschläge ein. Daneben gehen wir in 20-40 Unternehmen, um den Check zu testen. Dort wird beobachtet, wo Verständnisschwierigkeiten auftreten, wo es Diskussionsbedarf gibt oder welche Themen besonders relevant sind. Darauf aufbauend passen wir den Check dann an. Für uns ist das also eine spannende Phase: Jetzt sehen wir, ob das, was wir uns überlegt haben und die Ausrichtung, die wir gewählt haben, auch funktionieren.

Wieso ist Vielfalt für Unternehmen, gerade für kleine und mittlere Betriebe, wichtig? Welche Chancen können sich eröffnen, wenn Diversity im Betrieb gefördert wird?

JW: Wir wollen zeigen, dass Vielfalt ein Querschnittsthema ist, welches in allen Arbeitsprozessen und -situationen mitgedacht werden kann. Daher deckt der Check die Bereiche Strategie, Führung, Personalarbeit, Arbeitsorganisation und Unternehmenskultur ab. Wir zeigen anhand von Beispielen aus der Praxis, welche Vorteile vielfaltsbewusstes Denken und Handeln einem Unternehmen in all diesen Bereichen bringen kann. Beispiel Personaleinsatz: Ein Betrieb kann die Kreativität gezielt steigern, wenn in gemischten Teams gearbeitet wird. Durch das Zusammenkommen verschiedener Blickwinkel und Fähigkeiten entstehen oft neue Ideen und Herangehensweisen. Dies kann dann letztlich die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens steigern.

Warum sollten sich Betriebe als „Pilotunternehmen“ an der derzeitigen Erprobung beteiligen?

JW: Zum einen haben Unternehmen, die bei der Pilotierung mitmachen, einen Vorsprung. Sie können die Selbsteinschätzung schon jetzt durchführen und Maßnahmen beschließen, mit denen sie besser werden. Zum anderen, weil eben auch der Check von Vielfalt lebt. Er soll ja später in vielen Betrieben einsetzbar sein und auch auf unterschiedliche Strukturen und Organisationsformen passen. Dazu müssen wir genau dahin gehen, wo das Instrument dann auch verwendet wird: in die Unternehmen. Die Betriebe haben in den Pilotierungen die Möglichkeit, eigene Erfahrungen einzubringen und den Check durch ihr Feedback zu verbessern. Sie sind also ein aktiver Teil des Projekts und werden übrigens auch im Impressum genannt.

Wann wird der INQA-Check "Vielfaltsbewusster Betrieb" fertig sein und wie können Unternehmen diesen dann nutzen?

JW: Die Pilotphase endet Mitte Oktober 2017, im Frühjahr 2018 wird der Check veröffentlicht. Den Unternehmen steht er dann in drei Varianten zur Verfügung: Klassisch als Printversion, im Internet als interaktives Tool, in dem beispielsweise nach der Selbsteinschätzung weiterführende Praxishilfen angeboten werden, sowie als mobile App.

Über Johannes Weidl

Johannes Weidl arbeitet als Projektleiter im Bereich Diversity am RKW Kompetenzzentrum, einer gemeinnützigen Forschungs- und Entwicklungseinrichtung des RKW Rationalisierungs- und Innovationszentrums der Deutschen Wirtschaft e.V. Im RKW Kompetenzzentrum arbeiten Experten mit und für kleine und mittlere Unternehmen an Lösungen für die Herausforderungen der Zukunft – beispielsweise zu "Vielfalt im Betrieb (Diversity)". In seiner Funktion koordiniert Herr Weidl derzeit die Erprobungsphase des INQA-Checks "Vielfaltsbewusster Betrieb" und arbeitet gemeinsam mit den Projektpartnern an der baldigen Fertigstellung des Instruments.